CASCOM - Agententechnologie für medizinische Notfalleinsätze
Das DFKI präsentiert auf der CeBIT 2006 vom 9.-15.3. in Halle 9, B45 das europäische Forschungs- und Entwicklungsprojekt CASCOM - Context-Aware Business Application Service Coordination in Mobile Computing Environments.
Ziel von CASCOM ist die innovative Zusammenführung von Technologien aus
den Bereichen Multiagentensysteme, semantische Webdienste, Peer-to-Peer
und mobile Telekommunikation für eine intelligente Koordination mobiler
Geschäftsdienste zu jeder Zeit und an jedem Ort. In CASCOM werden die
anwendungsspezifischen Dienste von intelligenten Agenten gekapselt, die
in der Lage sind, auch hochkomplexe Aufgaben in dynamischen Umgebungen
effizient zu lösen.
Untersucht werden Anwendungsszenarien im elektronischen Handel, im
Telemonitoring und im Gesundheitswesen und dort als Emergency
Assistance Scenario auch protoypisch realisiert: Die Möglichkeit,
vertrauliche persönliche Daten unabhängig von einer stationären
Infrastruktur sicher zu übertragen, eröffnet neue effiziente
Kommunikationswege.
So kann beispielsweise ein im Urlaubsland erkrankter Tourist über PDA
mit Hilfe seines persönlichen CASCOM Agenten auf Datenbestände seiner
behandelnden Ärzte oder seiner Versicherer zugreifen, um so z.B. Ärzte
vor Ort über bestehende Vorerkrankungen zu informieren. Das behandelnde
Team ist dadurch detaillierter und schneller informiert, als durch den
persönlichen Bericht des möglicherweise beeinträchtigten Erkrankten.
Aufwändige Diagnostik, die bereits im Heimatland am Patienten
durchgeführt wurde, kann vermieden werden; Risiken und Kosten werden
minimiert. Anhand der übermittelten Informationen kann auch geprüft
werden, ob eine rasche Behandlung vor Ort angezeigt ist oder der
Rücktransport des Patienten sinnvoller erscheint. Durch die Vernetzung
der Informationsquellen wird sichergestellt, dass die Kosten dafür
durch einen der Versicherer übernommen werden. Auch für
Rettungsassistenten oder Notärzte, die zu einem völlig unbekannten
Patienten gerufen werden, bietet die CASCOM Architektur eine ad hoc
Kommunikation und Zugriff auf relevante Daten von unterwegs aus.
Dabei spielen Agenten eine essentielle Rolle, die den Anwender bei der
Benutzung des Systems unterstützen und stellvertretend für ihn
relevante Dienste in unterschiedlichen Quellen finden und geeignet
komponieren. Damit eine dynamische Komposition stattfinden kann, müssen
die Dienste semantisch beschrieben sein. Voraussetzung für die
Einsetzbarkeit des Systems ist eine glaubwürdige und zuverlässige
Sicherheitsfunktionalität. Netzwerk- und Dienstanbieter müssen
europaweit kooperieren, um den mobilen Anwendern Zugriff auf die
Dienste zu gewährleisten. Dafür sieht die CASCOM Architektur eine
agentenbasierte Koordination von Diensten vor. Die zugrunde liegenden
Verfahren sind so generisch gehalten, dass das System auch für andere
Anwendungsbereiche außerhalb des medizinischen Bereichs eingesetzt
werden kann.
In der bisherigen Projektlaufzeit wurden die Anwendungs-Szenarios
(Emergency Medical Assistance, Telemonitoring, Shopping all)
spezifiziert, in UML formal beschrieben und diskutiert. Darüber hinaus
sind die zugrunde liegende konzeptionelle Architektur für das mobile
P2P-Netzwerk sowie dessen Komponenten und Methoden für die semantische
Dienstkoordination definiert und zum Teil bereits in ersten Versionen
prototypisch entwickelt worden.
Ein integrierter Demonstrator der gesamten CASCOM-Technologie soll im
Rahmen eines Workshops vorgestellt werden und anschließend in
Feldversuchen 2007 evaluiert werden.
Das Projekt wird von der Europäischen Kommission mit insgesamt 2,69 Mio
€ gefördert und hat eine Laufzeit von September 2004 bis August 2007.
Insgesamt 8 Partner aus Deutschland, Finnland, Portugal, Spanien,
Italien und der Schweiz sind an dem Projekt beteiligt. Die
Projekt-Koordination ist am DFKI angesiedelt.
Informationen über die bisherigen Ergebnisse des Projekts werden über die Projektseite im Web (www.ist-cascom.org) zur Verfügung gestellt.
Kontakt:
Dr. Oliver Keller
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI GmbH
Forschungsbereich Deduktion und Multiagenten
Stuhlsatzenhausweg 3
66123 Saarbrücken
E-Mail: Oliver.Keller@dfki.de
Tel. +49 (0)681 302-5327
Fax. +49 (0) 681 302-2235
