Dr. Bernd Reuse als DFKI-Fellow geehrt

Eingebettet in die Veranstaltungen zum „Ort der Ideen“ wurde heute am DFKI in Saarbrücken Dr. Bernd Reuse als DFKI-Fellow geehrt. Das DFKI ist mit seinen Innovationen einer der "365 Orte im Land der Ideen", die Ideen und Ergebnisse im Rahmen der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten präsentieren. Die Ehrung als DFKI-Fellow ist die höchste Auszeichnung, die das DFKI zu vergeben hat. Sie wird an international angesehene Top-Wissenschaftler und Förderer des DFKI vergeben. Mehr als 100 Wissenschaftler aus ganz Deutschland, zwei Minister, zwei Staatssekretäre, der Präsident der Gesellschaft für Informatik, acht Institutsleiter der Fraunhofer-Gesellschaft, Direktoren von Max-Planck-Instituten und Forschungschefs von IT-Unternehmen aus ganz Deutschland waren zu dieser Festveranstaltung für Herrn Dr. Reuse angereist. Ergänzt und abgerundet wurde diese Auszeichnung durch die Überreichung der Ehrenprofessorwürde des Saarlandes durch Minister Jürgen Schreier am DFKI.




Die Ehrung von Dr. Bernd Reuse, der über 20 Jahre im Bundesministerium für Bildung und Forschung die deutsche Informatiklandschaft mit gestaltet hat, war ganz bewusst auf den Tag gelegt worden an dem das DFKI der "Ausgewählte Ort der Ideen 2006" in Deutschland war. Dies unterstreicht Reuses Bedeutung und die Nachhaltligkeit seiner Arbeit für das DFKI und die deutsche Informatik. „Ministerialrat Dr. Bernd Reuse im Bundesministerium für Bildung und Forschung wird ernannt zum DFKI Fellow in Arnerkennung seiner hevorragenden Beiträge und seines ausgezeichneten Engagements für den Aufbau, die Gestaltung und den Erhalt des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern, Saarbrücken und Bremen.“, erklärte Prof. Wolfgang Wahlster, Chef des DFKI, in seiner Laudatio. Das DFKI ist heute mit über 200 Wissenschaftlern weltweit das größte Forschungszentrum auf dem Informatik-Forschungsgebiet der Künstlichen Intelligenz.

Auch der saarländische Bildungs- und Forschungsminister Jürgen Schreier gratulierte Dr. Reuse und erklärte: „Dr. Reuse war auf Bundesebene der wichtigste Makler und Beschleuniger für den Aufbau des führenden deutschen Informatikstandortes und damit des ´Informationslandes Saarland´“. Minister Schreier verlieh dieser Anerkennung um die Verdienste von Dr. Reuse für das Saarland nachhaltigen Ausdruck und überreichte ihm als absoluter Höhepunkt einer glänzenden Festveranstaltung die höchste Wissenschaftsauszeichnung - die Ehrenprofessorwürde des Saarlandes. „Sein Wirken zeigt, welche Dynamik und Schubkraft entstehen können, wenn die innovative Kraft der Ideen, diplomatische Impulse und fundierte Sachkompetenz in Wissenschaft und Wissenschaftsadministration sich harmonisch und zielgerichtet ergänzen.“, so Schreier. „Dr. Bernd Reuse hat durch seine Arbeit eine deutsche Informatik-Landschaft mit international konkurrenzfähigen Zentren für Spitzenforschung geschaffen“, so Walhlster, „mit neuen Modellen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wie das DFKI und einer Fülle von Durchbruchinnovationen, die nicht nur zum internationalen Renommee der deutschen Forschung sondern vor allem auch zu wirtschaftlicher Wertschöpfung, neuen Unternehmen und hochwertigen Hightech-Arbeitsplätzen geführt haben. Von 1991 bis 2006 hat er im Bereich Softwaresysteme durch verschiedene innovative Fördermaßnahmen seines Referates etwa 10.000 neue High-Tech-Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und eine etwa gleich große Zahl konnte dadurch erhalten werden.“

Eine Meisterleistung war von 1993 – 2000 die strategische Konzipierung und erfolgreiche Förderung der Sprachtechnologie in Deutschland mit 31 nationalen und drei internationalen Forschungspartnern aus der Wissenschaft, der Forschung und der Industrie - gebündelt im Leitprojekt Verbmobil. Das komplexe achtjährige Grundlagenforschungsprojekt Verbmobil zum automatischen Verstehen und Übersetzen spontan gesprochener Dialoge, mit dem eine der damaligen Grand Challenges gelöst werden sollte, wurde weltweit erstmals absolut dezentral an 19 verschiedenen Standorten in Deutschland, in den USA und in Japan, mit einem zentralen wissenschaftlichen Leitung und einer Projektmanagement-Gruppe im DFKI in Saarbrücken bearbeitet. Dr. Reuse hat hier zum großen Erstaunen nicht nur vieler beteiligter Hochschullehrer, sondern auch der internationalen Fachgutachter erstmals in einem großen Forschungsprojekt mit einem Netzplan die 135 Arbeitspaketen und deren inhaltliche Dependenzen kontrolliert und gesteuert. Damals zweifelten viele Informatiker, dass ein Softwareprojekt wie Verbmobil doch wohl nicht wie ein Transrapid-Projekt gesteuert werden könne. Rückblickend kann man festhalten, dass der Netzplan in vielen kritischen Projektsituationen sehr wertvolle Dienste leistete. Die Netzplantechnik wurde später in die Standardmechanismen des BMBF übernommen, und sie wird inzwischen auch in anderen internationalen Großprojekten der Forschung angewandt.

Deutschland spielt auf dem Gebiet der Sprachtechnologie inzwischen weltweit in der Championsleague. Es gab im Jahr 2005 bereits über 150 Unternehmen in Deutschland, die Produkte in diesem Bereich im Markt vertreiben. „Innovation aus einem Guss“ wie sie heute zu Recht eingefordert wird - von der Spitzenforschung bis zum marktgängigen Produkt und mit der gesamten Wertschöpfungskette innerhalb Deutschlands – das ist mit der Sprachtechnologie gelungen. Mit Reuses Idee der Einrichtung eines Deutschen Kompetenzzentrums für Sprachtechnologie am DFKI über das Projekt COLLATE mit seinen drei Komponenten, einem virtuellen Informationszentrum, einem Demonstrationszentrum und einem Evaluationszentrum konnte auch die Nachhaltigkeit bei der Verwertung der Projektergebnisse aus Verbmobil und nachfolgenden Projekten wie SmartKom, Embassi und SmartWeb garantiert werden. Inzwischen wird dieses Konzept nicht nur in Europa, sondern darüber hinaus z.B. auch in China kopiert, weil es die Innovationsprozesse nachweisbar beschleunigt.

Abschliessend erklärte Wahlster: „Es ist Herrn Dr. Reuse zu verdanken, dass es mit dem äußerst erfolgreichen Verisoft-Vorhaben des BMBF unter der Leitung von Prof. Wolfgang Paul gelang, einschlägige Arbeitsgruppen aus dem Fachbereich Informatik, dem DFKI und dem Max-Planck-Institut für Informatik auf das ehrgeizige Projektziel der durchgängigen formalen Verifikation von Computersystemen einzuschwören und dies gemeinsam anzugehen. Damit ist in Saarbrücken neben der Sprachtechnologie ein weiterer institutsübergreifender Informatik-Leuchtturm mit weltweiter Ausstrahlung entstanden.“

Für hochbegabte Wissenschaftler wirkt das DFKI als Sprungbrett für eine Karriere als Unternehmensgründer, Industrieforscher oder Hochschullehrer. Organisiert als Public-Private-Partnership ist das DFKI mit Sitz in Kaiserslautern, Saarbrücken und (seit 2006) einem Labor Bremen eine gemeinnützige GmbH. Die Industrie hat die Mehrheit im Aufsichtsrat. Siemens war Gründungsgesellschafter, DaimlerChrysler, SAP, IDS Scheer, die Deutsche Telekom, Bertelsmann und Microsoft sind wichtige Innovationspartner. Ohne staatliche Grundfinanzierung, durch reine Auftrags- und Projektforschung hat sich das DFKI seit der Gründung 1988 zum weltweit größten Zentrum für intelligente Softwaretechnologien auf der Basis von Methoden der Künstlichen Intelligenz entwickelt mit aktuell über 220 Mitarbeitern und einem Finanzvolumen von ca. 19 Mio. Euro in 2005.

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