Gewinner gekürt: VOICE Award 2006
Die Sieger stehen fest. Die VOICE Awards für die besten deutschen Sprachanwendungen sind überreicht. Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Schirmherr der VOICE Days, Vorsitzender der VOICE Award Jury und Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), übergab die Preise am 18. Oktober im Alten Bundestag in Bonn im Rahmen der VOICE Days 2006.
Der VOICE Award, der 2006 zum dritten Mal vergeben wurde, prämiert in
der Hauptkategorie "Best Practice" die beste deutsche Sprachanwendung
im Praxistest. In weiteren Kategorien werden die innovativste
Applikation, die beste Enterprise Solution und der beste Mehrwertdienst
ausgezeichnet. Und erstmals wird 2006 der Preis für die "Best VOICE
Campaign", d.h. die beste Marketing-Kampagne vergeben, die von einer
telefonischen Sprachapplikation unterstützt wird. Die Preisverleihung
fand im Alten Bundestag in Bonn statt im Rahmen der VOICE Days 2006
(18.-19.10.2006, Bonn, Alter Bundestag).
72 sprachgesteuerte Dienste aus Deutschland, Österreich und
der Schweiz konkurrierten um den "Oskar" der Sprachtechnologiebranche,
42 Systeme konnten sich für die letzte Runde qualifizieren - basierend
auf einem umfangreichen Testverfahren wurden daraus die 14 Nominierten
in fünf Kategorien von der Jury bestimmt. Bewertet werden
Telefondienste, die dem Nutzer einen deutschsprachigen Dialog mit einem
Computerdienst ermöglichen, ohne dass das System vorher auf die Stimme
des jeweiligen Nutzers trainiert werden muss.
Alle angemeldeten und die Teilnahmebedingungen erfüllenden
sprachgesteuerten Dienste wurden im Deutschen Evaluationszentrum für
Sprachtechnologie am DFKI einem methodischen Testverfahren unterzogen.
Dabei wurden einheitliche Messkriterien definiert, die allgemeingültige
Aussagen über unterschiedliche Anwendungsgebiete erlauben. Die
definierten Testkriterien münden in einen Anforderungskatalog für die
Erstellung von Sprachapplikationen, der die Bedingungen des Marktes
umfasst. Prof. Dr. Anthony Jameson, Leiter des Testteams vom
Evaluationszentrum am DFKI, weist auf den Erkenntnisgewinn hin, der
durch die VOICE-Award-Evaluationen erzielt wird: "Zu jedem der
Entwurfsprobleme, mit denen Designer von Sprachdialogsystemen
regelmäßig konfrontiert werden, bieten die 42 getesteten Dialogsysteme
insgesamt eine breite Palette möglicher Lösungen - manchmal mit
überraschenden Innovationen. Durch die vergleichende Untersuchung aller
42 Systeme mit 10 Laientestern und 2 erfahrenen Evaluatoren wurden die
relativen Stärken und Schwächen dieser einzelnen Lösungen sichtbar. So
liefert der VOICE-Award-Anwendungstest für Hersteller und Betreiber von
Sprachdialogsystemen Informationen, die auf andere Weise kaum zu
gewinnen wären."
Zusammenfassend kann festgestellt werden: Die Sprachanwendungen haben
bessere Nutzerschnittstellen und innovativere Geschäftsmodelle als im
Vorjahr - Managed Services sind auf dem Vormarsch. Informationen zu den
Nominierten, dem Testferfahren, der Jury, den Preisen unter: http://www.voiceaward.de/.
Übersicht zu den einzelnen Kategorien, die Gewinner (fettgedruckt) und die Nominierten (ausführliche Laudatio weiter unten):
"Best Practice Award": die beste deutschsprachige Sprachapplikation.
DHL: Paketdienst Info
T-Mobile Deutschland: Sprachportal Kundenservice 2006
T-Com: Sprachportal für Vertrieb, Kundenbetreuung und Service
"Best Innovation Award": die Sprachapplikation mit der fortschrittlichsten technischen Umsetzung.
DaimlerChrysler: Persönlicher Assistent
Hamburger Verkehrsverbund: Telefonische Fahrplanauskunft
Sixt: Sprachportal Kundenservice
"Best Enterprise Service": die beste Sprachautomation von Kunden- und Unternehmensprozessen.
DHL: Paketdienst Info
ING-DiBa: Wertpapier Order Line
Swisscom Fixnet: Automatic Password Generator
T-Mobile Deutschland: Sprachportal Kundenservice 2006
"Best Value-Added Service": der beste sprachaktivierte öffentliche Telefondienst bzw. das beste kostenpflichtige Sprachportal.
JAMBA!: JAMBA 33333
T-Com: 11864 Klingelton Download
Voice Business: Golfscore
"Best VOICE Campaign": die beste Marketing-Kampagne, die von einer telefonischen Sprachapplikation unterstützt wird.
Cisco: Boooming Campaign
SpeakUp: 22456 Mobiler Taxiruf
SpeakUp: 22833 MusicLounge
Die Begründung der Jury zu den Gewinnern; vorgetragen von Prof.
Wahlster, dem Vorsitzenden der VOICE Award Jury, bei der Verleihung im
Alten Bundestag, Bonn, 18.10., ab 18:45:
"Best Practice Award": die beste deutschsprachige Sprachapplikation
T-Mobile Deutschland: Sprachportal Kundenservice 2006
Die Jury hat sich für dieses Sprachportal mit sehr
umfangreichem Diensteangebot als Hauptgewinner entschieden, weil es
wegweisend und vorbildlich für die gesamte Branche ist. Es erreichte
eine sehr hohe Punktzahl im Praxistest und eine ausgeglichene
Performanz über alle Bewertungsdimensionen hinweg. Der hohe
Freiheitsgrad der Eingabemöglichkeiten durch die relativ freie
natürlichsprachliche Formulierung auch komplexer Aufgaben, die
inkrementelle Abarbeitung umfangreicher Dialogaufgaben und die
omnipräsente Möglichkeit zum Barge-In oder zu Sprüngen in andere Menüs
überzeugten die Jury. Gegenüber der bereits 2005 als bestes "Voice User
Interface" prämierten Version wurden wesentliche Neuerungen in das neue
Sprachportal Kundenservice der T-Mobile eingebracht. Seit Anfang 2006
können Vertragskunden aus dem Sprachportal heraus z.B. ihre aktuellen
Rechnungsbeträge per Sprache abfragen und erfahren nicht nur ihre
Gesamtkosten, sondern auch alle einzelnen Kostenpositionen (z.B.
Telefonie, SMS, MMS). Mit der SMS-News-Anbindung kann der Kunde
erstmalig Serviceleistungen von Drittanbietern in Anspruch nehmen.
Kunden, die nicht wissen, wie ihre Mobilbox zu aktivieren ist, können
dies nun problemlos im Sprachportal tun. Es können verschiedene
Rufumleitungen per Sprache eingerichtet werden. Insgesamt wurde die
Funktionalität in Richtung auf einen umfassenden Self Service stark
erweitert. Sehr positiv wertete die Jury auch die Benutzermodellierung
und -adaption. Von 30 Millionen Kunden liegen bereits 2,5 Millionen
Profile vor. Benutzeradaptierte Einstiegsdialoge und eine angepasste
Fehlerbehandlung wurden von der Jury als gelungener Einstieg in stärker
personalisierte Dienste gewertet. Der Dienst wird auf Deutsch, Englisch
und Türkisch angeboten und verzeichnet mit über 1.000 Ports mehr als
100.000 Anrufe am Tag. In Spitzenzeiten erledigt das Sprachportal die
Arbeit von bis zu 1.600 Agenten gleichzeitig - die Fallabschlussraten
liegen über 75%. Das Unternehmen spart mit der Anwendung über eine
Million Euro im Jahr. Entwickelt wurde die Anwendung von T-Mobile, der
Sprachdialog stammt von HFN, T-Systems unterstützte T-Mobile bei der
Integration. Es wurden Systeme von Genesys (Telefoniehardware), Nuance
(Sprachverarbeitung) und Unisys (Plattform) eingesetzt.
"Best Innovation Award": die Sprachapplikation mit der fortschrittlichsten technischen Umsetzung
DaimlerChrysler: Persönlicher Assistent
Die innovative Funktionaliät in einem neuartigen Anwendungsfeld
für Sprachtechnologie zusammen mit sehr guten Werten im Anwendungstest
hat die Jury-Entscheidung für dieses System geprägt. Der persönliche
Assistent von DaimlerChrysler ist eine Vermittlungs- und
Assistenzanwendung für das Personal Information Management der
Mitarbeiter des Konzerns. Sie verwirklicht ein One-Number-Konzept für
die ubiquitäre Erreichbarkeit der Mitarbeiter sowie den Übergang zum
Wechsel von der Festnetztelefonie auf Vermittlungs- und
Assistenzdienste. Sie bietet den Mitarbeitern eine Follow-Me-Funktion,
Presence Management und den Zugriff auf Telephonnummern, die mit Lotus
Notes verwaltet werden. Das System ist angeschlossen an einen Least
Cost Router. Weitere Effizienzsteigerungen erwartet sich das
Unternehmen durch den stets gleichen Datenbestand, der unabhängig von
Standort und Medium (Handy, Festnetz, VoIP) drei Telefonbuchsysteme
(persönlich, Werk, Konzern) integriert. Gut gelöst ist auch die
integrierte getrennte Abrechnung von privaten und dienstlichen Anrufen.
Die Jury war überzeugt von der sehr geringen Fehlerrate im
Anwendungstest und der hohen Effektivität der Bedienung auch für die
Laientester. Hinzu kommt die angenehme Dialogführung unter Verwendung
von Earcons und der Option zum Barge-In. Besonders innovativ sind die
Klärungsdialoge zur Disambiguierung von Personenreferenzen. Die
Anwendung läuft derzeit auf unter 30 Ports und wickelt einige Tausend
Anrufe pro Tag mit einer sehr beeindruckenden Fallabschlussquote von
über 90% ab. Das Unternehmen verspricht sich von dieser B2E-Anwendung
Einsparungen von über 100.000 EUR pro Jahr und eine deutliche
Serviceverbesserung. Generalunternehmer ist SemanticEdge, die
Verbundworterkennung kommt von Nuance.
"Best Enterprise Services": die beste Sprachautomation von Kunden- und Unternehmensprozessen
DHL: Paketdienst Info
Die sehr geringe Fehlerhäufigkeit, die hohe Effektivität der
Bedienung sowie die schnelle Erlernbarkeit dieser automatisierten
Sendungsverfolgung von DHL hat die Jury veranlasst, diese, im Vergleich
zur Version vom Vorjahr stark verbesserte Systemversion zu prämieren.
Sie bietet den Empfängern und Versendern Information zum Lieferstatus
aller nationalen Sendungen sowie zum Absender und Adressaten an. Im
System sind ständig etwa 90 Millionen Sendungen (bis zu 60
unterschiedliche Statusinformationen werden erfasst) hinterlegt. Die
Jury war beeindruckt von der sehr sicheren Erkennung der zwölfstelligen
Sendungsnummer und des Identcodes. Sehr gut aufeinander abgestimmt sind
in der Sprachausgabe die synthetisierten Teile mit den aufgezeichneten
Dialogsegmenten. Damit wurde die konstruktive Kritik aus dem
Testbericht 2005 an der Sprachsynthese umgesetzt. Die Anwendung schickt
das Ergebnis der Abfrage zudem auf Wunsch auch per Fax oder SMS an den
Nutzer. Über eine halbe Million Anrufer haben bereits den
Paket-Infoservice genutzt. Mehr als 20.000 Anrufe am Tag werden auf
unter 60 Ports abgewickelt; im Jahr finden ca. 2 Millionen
Transaktionen in der Anwendung statt. Der Automatisierungsgrad ist
deutlich höher als zu Beginn des Projektes erwartet, laut Betreiber
werden ca. 92 Prozent der Anrufe fallabschließend im System bearbeitet,
das entspricht 60% aller Sendungsabfragen an das Unternehmen. Das
System wurde in vier Monaten von SemanticEdge projektiert. SemanticEdge
realisierte das Voice User Interface und integrierte die Anwendung auf
eigener Plattform und Application Management Software. Der
Spracherkenner stammt von Nuance.
"Best Value-Added Service": der beste sprachaktivierte öffentliche Telefondienst bzw. das beste kostenpflichtige Sprachportal.
Voice Business: Golfscore
Der von dem Wiener Unternehmen Voice Business betriebene
Mehrwertdienst richtet sich an österreichische Golfspieler und
ermöglicht die einfache Berechnung und Verwaltung der gespielten
Golf-Ergebnisse über das Telefon: Golfscore dient der kontinuierlichen
Ermittlung des Handicaps des Anrufers. Das sehr gute Hear and Feel
sowie die emotionalisierte Ansprache durch einen bekannten
Fernsehmoderator haben das Urteil der Jury geprägt. Besonders
beeindruckte die Jury die stilvolle Optimierung fast aller Aspekte des
Dialogdesigns. Die Stimme des bekannten österreichischen Moderators
Jürgen Peindl fragt die Angaben in einem erfrischend flotten Tempo ab,
wobei unter anderem die Erkennung der Namen der zahlreichen Golfplätze
des Österreichischen Golfverbandes gut bewältigt wird. Die gegenüber
der Version aus dem Vorjahr deutlich verbesserten
Fehlerkorrekturmöglichkeiten sowie die Klärungsdialoge tragen zur sehr
hohen Bedienungseffektivität bei, wie sich in den Anwendungstests
zeigte. Auch die kontextabhängigen Eingabehilfen erhöhen den
Bedienkomfort nachhaltig. Gut gelungen sind nach Meinung der Jury auch
die anerkennenden oder aufmunternden Abschlusskommentare je nach
Spielergebnis. Zum Schluss kommentiert nämlich Herr Peindl auf
empatische Art den Spielerfolg, um sowohl bei gutem als auch bei
schlechtem Ergebnis ein positives Gefühl beim Anrufer zu hinterlassen.
Bei nicht registrierten Anrufern erfasst das System deren Stammdaten
und berechnet daraus mit den neuen Angaben zum soeben gespielten Platz
das aktuelle Handicap. Der unmittelbar einsichtige Kundennutzen mit
echtem Mehrwert für ehrgeizige Golfer, die eine zahlungsbereite
Klientel darstellen, waren mit ausschlaggebend für das Urteil der Jury.
Insgesamt zeigt das Golfscore-System, wie man mit einem gelungenen
Dialogdesign für eine bestimmte Kundengruppe einen ausgesprochen
nützlichen Dienst anbieten und für den Betreiber entsprechend
regelmäßige Einkünfte sichern kann. Die Anwendung wurde in weniger als
drei Monaten realisiert. Sie wickelt seither mehrere 100 Anrufe am Tag
mit weniger als zehn Ports ab und hat sich in gut einem Jahr
amortisiert. Für Entwicklung, Hosting und Betrieb zeichnet die Firma
Voice Business verantwortlich, sie verwendet einen Spracherkenner von
Nuance sowie eine Application Management Software von Tomcat.
"Best Voice Campaign": die beste Marketing-Kampagne, die von einer telefonischen Sprachapplikation unterstützt wird
Cisco: Boooming Campaign
Das Cisco Boooming Portal hat die Jury aufgrund seiner sehr innovativen
Nutzung der Sprachtechnologie zur interaktiven Spielsteuerung
überzeugt. Dabei wird das Sprachsignal nicht in der herkömmlichen Weise
zur Erkennung einer natürlichsprachlichen Eingabe benutzt, sondern
völlig neuartig und unkonventionell als Ersatz für eine physische
Handlung interpretiert. Die multimodale Anwendung besticht zudem durch
ihre neuartige Kopplung von Telefonie und Internetzugriff in Echtzeit.
Es handelt sich um das erste telefongesteuerte Fußballspiel mit
visueller und akustischer Rückkopplung beim Torschuss. Beim Öffnen der
Internetseite fordert ein gefilmter Moderator den Spieler auf, eine
bestimmte Telefonnummer anzurufen, um dann mit dem simulierten
Moderator direkt in Kontakt zu treten. Nur über die Telefoneingabe wird
der weitere Verlauf des Spiels bestimmt. Der Moderator wird zum
Torwart, gegen den der Spieler durch einen "Booom"-Schrei gesteuert
virtuell Elfmeter schießt. Bei diesem Onlinespiel geht es darum, auf
sehr unterhaltsame Weise die Konvergenz von Telefonie und Internet
darzustellen. Die Ansagen wie das Spielergebnis werden über das Telefon
ausgegeben, gleichzeitig wird die multimodale Applikation auf dem
Bildschirm angezeigt. Der Spieler bestimmt die Höhe des Schusses mit
seiner Stimmhöhe, die Stärke des Schusses mit der Dauer und Lautstärke
seiner Äußerung. Selbst ein Anschneiden des Balles ist durch die
Modulation der Tonhöhe möglich. Die Annahme des Anrufs und die Analyse
des Schreis werden an die Middleware und von dort an den Flashplayer
geschickt, der den Flug des Balls dann im Internet visualisiert. Die
Generalunternehmerschaft für die Entwicklung der Boooming Campaign
hatten Telenet und OgilvyInteractive. Telenet entwarf den Dialog und
integrierte die Anwendung. Die Telefonie ist serverbasiert,
Sprachverarbeitung und -plattform sowie die Application Management
Software stammen von Telenet. Die Inhalte erstellte OgilvyInteractive.
Weitere Informationen, Hintergrund, Programm und Anmeldung zu den VOICE Days:
http://www.voicedays.de/
DFKI-Pressekontakt:
Reinhard Karger, M.A.
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH
Stuhlsatzenhausweg 3, Geb. 3.2
D-66123 Saarbrücken
Tel.: +49 681-302 5253, Fax: +49 681-302 5341
Mobil: 0177 2422118
email: reinhard.karger@dfki.de
Internet: http://www.dfki.de
