Stahl und Chips: DFKI-Softwareagenten unterstützen Produktionssteuerung
Die Fertigungsprozesse in der Stahlindustrie werden von klassischen
ERP-Systemen nur unzureichend abgebildet. Die Saarstahl AG und das DFKI
haben deshalb gemeinsam ein Dispositionssystem auf der Basis von
Softwareagenten entwickelt, das die Planung und Überwachung der
Stahlproduktion im Werk Völklingen unterstützt: MasDispo -
Multiagententechnologie in der Stahlproduktion.
Die Implementierungsphase wird mit dem Produktivstart im Mai 2006
abgeschlossen. Vor dem Produktiveinsatz formuliert die Saarstahl AG,
Walter Pressmann, Leiter der Informatik, Saarstahl AG: "Flexibilität
und schnelle Reorganisation sind unabdingbare Produktionskriterien bei
der Produktionsplanung und -überwachung in dynamischen Umgebungen wie
der Stahlproduktion. Die Softwareagenten des DFKI sind für uns ein
wichtiges Werkzeug."
Das agentenbasierte System des DFKI wird im Leitstand des
Stahlwerks in Völklingen eingesetzt und unterstützt die Planung und
Steuerung der Stahlproduktion. MasDispo berechnet für ein gegebenes
angestrebtes Tagesprogramm eine nach auswählbaren Parametern optimale
Lösung, vergleicht aktuelle Produktionsdaten mit Fertigungsplänen der
jeweiligen Aggregate, erkennt Abhängigkeiten und Auswirkungen, aber
auch potenzielle Abweichungen vom geplanten Produktionsablauf und
unterstützt ihre Behebung.
Dr. Klaus Richter, Leiter der Betriebseinheit Stahlwerk,
erläutert: "Aufgrund der engen Temperaturführung im Stahlwerk haben wir
nur geringen zeitlichen Spielraum in der Produktion. MasDispo hilft
uns, drohende Abweichungen vom geplanten Produktionsablauf rechtzeitig
zu erkennen und somit zu vermeiden."
"Im Mittelpunkt von MasDispo steht die kurzfristige Planung
des Stahlwerks auf Basis eines Tagessollplans", so Dr. Klaus Fischer,
DFKI-Projektleiter: "Aufgabe des agentenbasierten Planungssystems ist
eine optimale Auslastung der Stahlwerksaggregate und der
Produktionsressourcen."
Das langfristige Ziel der Zusammenarbeit zwischen dem DFKI und
der Saarstahl AG ist das vollständige computergestützte Management der
Lieferkette (Supply Chain Management, SCM): Die Kundenbestellungen
steuern die Produktion über die ganze Kette von der Roheisenanlieferung
im Stahlwerk bis zur Weiterverarbeitung in den Walzwerken. Prof. Dr.
Jörg Siekmann, Forschungsbereichsleiter am DFKI, erklärt: "Angestrebt
ist ein komplettes agentenbasiertes Lieferkettenmanagement-System,
welches den Materialfluss in der Produktionskette der Saarstahl AG
plant und überwacht. Natürlich ist unser System nicht auf den Einsatz
in Stahlwerken beschränkt. Agentenbasierte Lösungen können Planung und
Steuerung unterstützen und so die Produktivität weiter steigern, aber
auch volkswirtschaftlich den Produktionsstandort Deutschland
konkurrenzfähig halten."
Am DFKI werden im Projekt ATHENA (Advanced Technologies for
Interoperabilty of Heterogenous Enterprise Networds and their
Applications) Agententechnologien zur Unterstützung der
Interoperabilität von Geschäftsprozessen untersucht. Die Integration
von Agententechnologien mit dienstorientierten und modellgetriebenen
Architekturen steht dabei technologisch im Mittelpunkt. Das Ministerium
für Bildung, Kultur und Wissenschaft des Saarlandes fördert die
Nutzbarmachung der Ergebnisse von ATHENA für die Stahlindustrie im
Projekt AgentSteel. Zusätzlich plant das Ministerium für Wirtschaft und
Arbeit des Saarlandes eine weiterführende Förderung.
http://www.athena-ip.org/
DFKI-Kontakt: Dr. Klaus Fischer
E-Mail: Klaus.Fischer@dfki.de
Tel.: +49 (0)681 302-3917
Informationen über das DFKI finden Sie auch im aktuellen DFKI-Newsletter unter:
http://www.dfki.de/newsletter/NL17/pdf/DFKI_Newsletter_17.pdf
Für hochbegabte Wissenschaftler wirkt das DFKI als Sprungbrett
für eine Karriere als Unternehmensgründer, Industrieforscher oder
Hochschullehrer. Seit Anfang 2004 ist das DFKI "Partner für
Innovation". Organisiert als Public-Private-Partnership ist das DFKI
mit Sitz in Kaiserslautern, Saarbrücken und (seit 2006) Bremen eine
gemeinnützige GmbH. Die Industrie hat die Mehrheit im Aufsichtsrat.
Siemens war Gründungsgesellschafter, DaimlerChrysler, SAP, IDS Scheer,
die Deutsche Telekom, Bertelsmann und Microsoft sind wichtige
Innovationspartner. Ohne staatliche Grundfinanzierung, durch reine
Auftrags- und Projektforschung hat sich das DFKI seit der Gründung 1988
zum weltweit größten Zentrum für intelligente Softwaretechnologien auf
der Basis von Methoden der Künstlichen Intelligenz entwickelt mit
aktuell über 220 Mitarbeitern und einem Finanzvolumen von ca. 19 Mio.
Euro in 2005.
DFKI-Pressekontakt: Reinhard Karger, M.A.
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH
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