Saarbrücker Forscher entwickeln Suchmaschine für Argumentationen

Saarbrücker Wissenschaftler der Rechtswissenschaft, Informatik und Philosophie gehen neue Wege, im Internet vorhandene Informationen aufzufinden und auszuwerten: Gemeinsam arbeiten sie an einer Suchmaschine, die mit Hilfe von Methoden der künstlichen Intelligenz Argumente und Argumentationsstrukturen inhaltlich erfasst. Der Software-Prototyp wird anhand des Textkorpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt ARGUMENTUM mit insgesamt 1,4 Millionen Euro. Beteiligt sind die Universität des Saarlandes, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Europäische EDV-Akademie des Rechts (EEAR).




Juristen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in Bibliotheken und suchen. Von Hand wälzen Anwälte, Richter, Staatsanwälte und Unternehmensjuristen ebenso wie Studenten und Wissenschaftler Kommentare, Bücher, juristische Zeitschriften. Sie suchen nach Begründungen, die eine bestimmte These unterstützen oder widerlegen. Oder sie versuchen, ein Argument mit konkreten Fällen und Argumentationen aus bereits gefällten Gerichtsurteilen zu untermauern.

 Argumentum Logo

 

Das Internet mit seinen juristischen Fachdatenbanken ist hierbei bereits eine große Arbeitserleichterung. Aber die Volltextsuche nach Suchbegriffen und Schlagworten bringt Antworten nach dem Gießkannenprinzip – ohne Rücksicht darauf, ob die eingegebenen Suchbegriffe in den gefundenen Dokumenten überhaupt im Zusammenhang mit der gesuchten Rechtsfrage behandelt werden oder ob die jeweiligen Gerichtsentscheidungen Argumente für oder gegen die eigene Sache liefern. In der schieren Menge der Treffer die passenden Stellen zu finden, kann einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen.

 

An einer neuartigen Suchmaschine, die auf Mausklick passende Argumentationen zu bestimmten Rechtsfragen präzise online serviert, arbeiten jetzt Saarbrücker Forscher im BMBF-Projekt ARGUMENTUM. Ihr Ziel ist es, dass Nutzer eine rechtliche Frage eingeben können und daraufhin Dokumente erhalten, die sich mit der Frage argumentativ auseinandersetzen. „Eine solche Suchmaschine würde die rechtswissenschaftliche und rechtspraktische Arbeit erheblich vereinfachen und beschleunigen“, erklärt Professor Maximilian Herberger, der das am Projekt federführend beteiligte Institut für Rechtsinformatik der Saar-Uni leitet.

Das Institut für Rechtsinformatik betreut bereits seit Jahren den Internetauftritt des Bundesverfassungsgerichts. Für den Prototyp legen die Wissenschaftler die Texte aller online veröffentlichten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zugrunde. Diese Texte eignen sich besonders, da sie immer einem logischen Aufbau und einer logischen Argumentationsstruktur folgen.

 

Bis 2015 soll der Software-Prototyp erstellt werden. Zugleich soll untersucht werden, ob und inwieweit die hier gefundenen Erkenntnisse sich übertragen lassen: In allen Wissenschaften wird argumentiert; die Argumentation ist eine zentrale Aufgabe und Methode der Forschung generell. Die beteiligten Wissenschaftler wollen daher die Suchmaschine über die juristischen Inhalte hinaus weiterentwickeln für eine Suche nach Argumentationen aller Art.

 

Im Projekt arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen Hand in Hand:

Die Rechtsinformatiker der Saar-Uni sind verantwortlich für die juristische Seite und entwickeln gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik im DFKI um Professor Peter Loos die neuartige Software. Am DFKI werden außerdem unabhängig von den juristischen Inhalten die Satzkonstruktionen und Schlüsselwörter in den Argumentationsstrukturen analysiert. Hinzu kommen Saarbrücker Philosophen um Prof. Ulrich Nortmann, die das Projekt aus argumentationstheoretischer Sicht bearbeiten. Die Europäische EDV-Akademie des Rechts, eine vom Saarland und dem EDV-Gerichtstag gegründete gemeinnützige GmbH, testet und evaluiert die Entwicklungen während der gesamten Projektzeit.

 

Das BMBF fördert das Projekt ARGUMENTUM im Rahmen der so genannten „eHumanities Förderrichtlinie“ mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Millionen Euro.


Weitere Informationen:

 http://argumentum.eear.eu

 

Kontakt:

Iris Speiser (Institut für Rechtsinformatik),

Tel. +49 681 302-2839

E-Mail: i.speiser@mx.uni-saarland.de

 

Tim Philippi (Theoretische Philosophie)

Tel: +49 681 302-3324

E-Mail: TimPhilippi@gmx.de

 

Alfred Gass (EEAR)

Tel: +49 6861 793711

E-Mail: info@eear.eu

 

PD Dr. Peter Fettke (Institut für Wirtschaftsinformatik im DFKI)

Tel: +49 681 85775-5142

E-Mail: peter.fettke@iwi.dfki.de