Kritik im Cyber Gallier, Juni 1997




Was für ein Theater?!

Am 4. Juli fand der glänzende Theatersommer an der Universität des Saarlandes seinen krönenden Abschluß. Nach dem Menschenfeind des EffekTheaters und den Einaktern von Act und Thunis, inszenierte die Gruppe Theater per se Tom Stoppards "Und Rosenkranz und Güldenstern sei'n tot".

Das Stück erzählt das klassische Hamlet-Drama aus der Sicht dieser beiden ahnungslosen Nebenfiguren, die durch längere und zum Teil auch sehr unterhaltsame Wortwechsel ihrer Hauptrolle keinen Zweifel ließen und das eigentliche übergeordnete Stück, genau wie das Publikum nur am Rande mitbekamen. Den Zuschauenden wurde jedoch eine kurze Begleitlektüre zu Hamlet mitgegeben, die alles Nötige zum Verstehen des "Stücks im Stück", vor allem für Nicht-Hamlet-KennerInnen erläutert.

Das "semantische Tennisspiel" der beiden Hauptdarsteller Michael Kipp und Kai Schmieding dürfte wohl das, was man von einer Laienbühne erwarten könnte, um Klassen übertreffen. Auch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen von Simone Hoffmann als Hamlet und Rene Beier als Impresario, sowie aller anderen AkteurInnen, die gekonnt die nötige Distanz zu den beiden Hauptdarstellern behielten, förderten die Sympahtien Rosenkranz's und Güldensterns bei den ZuschauerInnen.

Theater per se, unter der Leitung von Arndt Christian König, hat sich, wie bei ihrem ersten Stück "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder auch dieses Mal keine leichte Aufgabe gestellt. Die Darbietung erforderte eine hohes Maß an Geschick, sowohl bei den SchauspielerInnen, wie auch bei der Regie. Aber auch dieses Mal wurde ihr Mut zum Risiko vom Publikum mit gefüllten Theatersälen und lautstarken Applaus belohnt. Zurecht, wie ich finde.

Miwi