Saarbrücker Zeitung, Donnerstag, 1.2.96
Spielfreude kontra Erdenschwere
"Theater per se" brachte Drama von Thornton Wilder auf die Bühne
Ungebrochen scheint die Anziehungskraft des amerikanischen Theaters der füniziger Jahre auf Schul- und Uni-Theatergruppen. Die vor knapp acht Monaten an der Universität des Saarlandes formierte Gruppe "Theater per se" wählte sich zum Einstand mit Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen.." von 1942 ein Stück über die letzten Dinge, Tod und Leben, Zivillsation und Barbarei.
19 Akteure, inklusive Regisseur Arnd Christian König, hatten sich dieses Drei-Stunden-Drama erarbeitet und es zeitweise geschafft, den vor erdenschwerer Bedeutsamkeit berstenden Koloß zu "lüften".
Im Mittelpunkt des Drelakters steht die Familie Antrobus. Vater George (Steffen U. Keim), Mutter Maggie (Johanna Voltz), die Kinder Gladys (Kerstin Seiler) und Henry (Rene Beier) sowie das Dienstmädchen Sabina (Katja Dittus) repräsentieren die amerikanische Durchschnittsfamilie. Zugleich sind sie die Abbilder der Urfamille Adam und Eva samt Ihrer Gegenspieler Lilith/Sabina und Kain/Henry, die Wilder in je einem Akt mit Eiszeit, Sintflut und Krieg bedroht und sie noch einmal davonkommen läßt.
Sie machen Feuer und bauen mit den überlieferten Ideen wieder eine neue Welt, bis daß die nächste Bedrohung sie zerstört Am Rande des ins unfreiwillig Komische kippenden Pathos stehen für uns diese Szenen, wenn man sie allzu ernst nimmt. So auch in dieser Inszenierung. Es gibt es darin jedoch auch eine Reihe von Effekten, wie Anrede des Publikums, buchstäbliches aus der Rolle fallen der Schauspieler, die vom "Theater per se" effektvoll und witzig umgesetzt werden. So rettet die Spielfreude der Akteure das Stück über die Zeit, wo am Ende der wohlverdiente Applaus wartete. (Nächste Aufführung heute, 20 Uhr, im Theatersaal in der Mensa).
sg