Social Computing: Technologien zur sensorgestützten Analyse von Interaktionen in Menschengruppen

Bilder
Welche Wege nehmen Kunden im Geschäft? Wie lange verharren sie vor einem bestimmten Angebot? Müssen die Mitarbeiter einer Großküche unnötig lange Wege zurücklegen, weil die Anordnung der Küchengeräte wenig durchdacht ist? Stockt der Besucherstrom in der Konzerthalle immer wieder an der gleichen Stelle? Bewegungsmuster von Menschen in Gruppen liefern Daten, mit denen das Kundenverhalten in Geschäften analysiert, Organisationsstrukturen optimiert und Großveranstaltung sicherer gemacht werden können.

Der DFKI-Forschungsbereich Eingebettete Intelligenz entwickelt Verfahren für die großflächige, kollaborative Datenakquisition, erforscht neuartige Basistechnologien zur Innenraumlokalisierung und verfolgt innovative Ansätze zur Sensorfusion bis hin zum sogenannten „Crowd Sensing“.

Fusion verschiedener Sensormodalitäten
Am CeBIT-Stand des DFKI können mit den Empfängern ausgestattete Mitarbeiter in Echtzeit lokalisiert werden. Die in den Unterboden integrierten Drucksensoren der Future-Shape GmbH erkennen die Schritte der Besucher. Aus den Sensordaten ergibt sich zusammen mit den Bluetooth- und WLAN-Signaturen aus den Smartphones der Besucher ein anonymisiertes Bild der Bewegung der Menschenströme. Aus den Daten kann berechnet werden, welche Exponate für die Besucher besonders interessant sind, welche Mitarbeiter wie viele Besucher bei welchen Exponaten betreut haben, und wie das Interesse an bestimmten Exponaten mit dem Besuch anderer Stände korreliert. Die Ergebnisse werden auf einer HeatMap visualisiert.

Magnetic Sensors – Magnetfeldbasierende Positionsbestimmung in geschlossenen Räumen
Das System des DFKI funktioniert auf der Basis von oszillierenden Magnetfeldern, die eine auf 30 cm genaue, dreidimensionale Lokalisierung von tragbaren Empfangsgeräten in Gebäuden ermöglichen. Dadurch lassen sich Position, Ausrichtung und Lage im Raum erkennen, beispielsweise von Geräten oder am Körper getragenen Sensoren. Das vom DFKI entwickelte Lokalisierungssystem besteht aus stationären Transmitter- und tragbaren Empfangseinheiten. Die erzeugten Magnetfelder durchdringen Gegenstände, Personen oder Mauern und sind weitgehend unempfindlich gegen Störungen durch metallische Gegenstände. Eine stationäre Transmittereinheit deckt etwa 60 m2 ab. Die Empfängereinheit überträgt die ermittelten Positions- und Ausrichtungsdaten über eine USB- oder Funkverbindung zur Weiterverarbeitung an einen PC. Im Empfänger integrierte Beschleunigungs- und Drehratensensoren stabilisieren die ermittelten Positions- und Ausrichtungswerte.

Crowd Sensing bei Großveranstaltungen
Außerdem zeigen die Wissenschaftler ein sogenanntes Crowd Sensing System, das Besucherströme auf Großveranstaltungen mit Hilfe von Mobiltelefonen anonym erfasst und diese bei Bedarf per Nachrichten gezielt koordinieren kann. Crowd Sensing wurde am DFKI im Rahmen des EU-Projektes SOCIONICAL und in Zusammenarbeit mit dem DFKI-Spin off SIS Software GmbH entwickelt. Unter anderem wurde die Technik bei den Olympischen Spielen 2012 in London eingesetzt.

Weitere Informationen
www.dfki.de/web/forschung/ei

Kontakt
Prof. Dr. Paul Lukowicz
Leiter Forschungsbereich Eingebettete Intelligenz
E-Mail: Paul.Lukowicz@dfki.de
Tel.: +49 631 20575 2000

Stand-Koordinaten
CeBIT 2013, Halle 9, Stand E50

Pressekontakt auf der CeBIT 2013
Heike Leonhard, DFKI
Tel. +49 174 3076888
Email: Heike.Leonhard@dfki.de