Publikation

Complex Predicates: Verbal Complexes, Resultative Constructions, and Particle Verbs in German

Stefan Müller

PhD-Thesis Universität des Saarlandes 2000.

Abstrakt

In dem Buch entwickle ich eine Theorie der komplexen Prädikate, die normale Kopulakonstruktionen, kohärente Infinitive einschließich der AcI-Konstruktionen, Subjekt- und Objektprädikative, Resultativkonstruktionen und Partikelverben erfaßt. (1) Er fährt das Auto kaputt / zu Schrott. (2) Er ißt das Fleisch roh. Zur Abgrenzung der Resultativkonstruktionen (1) von anderen sekundäre Prädikaten wird auch auf depiktive Prädikate (2) eingegangen und eine entsprechende Analyse für diese entwickelt. Ich zeige, daß depiktive Prädikate als Adjunkte zu behandeln sind, die mit einem Element in der Argumentstruktur des Verbs, das sie modifizieren, koindiziert sind. Ich zeige auch, daß die Elemente in der Argumentstruktur des Verbs je nach ihrer Obliqueness als Antezedenten unterschiedlich gut geeignet sind. Im Teil, der sich mit Partikelverben beschäftigt, argumentiere ich, daß sich Verbzusätze wie andere Teile das Prädikatskomplexes verhalten. Sie werden wie Verben in der rechten Satzklammer angeordnet (3)-(4), können wie Adjektive oder Verben einzeln im Vorfeld stehen (5) oder bei Fokussierung wie Adjektive auch im Mittelfeld links vom Verbalkomplex angeordnet werden. (3) Karl kommt abends in Berlin an. (4) Karl kommt abends in der Stadt an, in der ich wohne. (5) Fest steht, daß Karl nicht der Mörder war. Es scheint also angebracht zu sein, die Verbzusatz-Verb-Konstruktionen syntaktisch wie Verbalkomplexe, also in der Syntax, zu behandeln. Wenn Verbzusätze analog zu anderen Elementen des Verbalkomplexes behandelt werden, kann (5) als Falle von (Partial) Verb Phrase Fronting behandelt werden. Für nicht-transparente Partikelverben nehme ich Lexikoneinträge an, die denen von verbalkomplexbildenden Verben ähneln. Lexikoneinträge, die in transparente Partikelverbkombinationen verwendet werden, werden durch Lexikonregeln lizensiert. Bei Behandlung der Partikeln als eigenständige syntaktische Einheiten stellt sich natürlich die Frage, wie die morphologischen Fakten, insbesondere die Derivation erklärt werden kann. In einer breiten empirischen Untersuchung werden Ähnlichkeiten zur Derivation mit Resultativkonstruktionen aufgezeigt und es wird deutlich gemacht, daß weder bei Resultativkonstruktionen noch bei Partikelverben Listedness für die Derivation entscheidend ist. Produktive Partikel-Verb-Verbindungen und die eindeutig syntaktischen Resultativkonstruktionen treten z.B. in ähnlicher Weise in vielen Nominalisierungsformen auf. Zur Beschreibung von Flexion und Derivation nehme ich Lexikonregeln an, die Stämme auf flektierte Formen bzw. Stämme auf andere Stämme abbilden. Im Fall der Partikelverben wird ein Stamm, der für eine Partikel subkategorisiert ist, durch Flexionsregeln auf ein Wort abgebildet, das dann in der Syntax mit der Partikel kombiniert werden kann. Alternativ kann der Stamm aber auch durch eine Derivationsregel auf einen anderen Stamm abgebildet werden, dieser Stamm muß dann natürlich auch flektiert werden. Da der Stamm für die Partikel subkategorisiert ist, haben Derivationsregeln Zugriff auf Information, die von der Partikel begesteuert wird (z.B. semantische Information bzw. Information über zusätzliche Komplemente zusätzliche Komplemente). Die vieldiskutierten Klammerparadoxa existieren für diesen Ansatz nicht. Mächtig Mittel wie Umklammerung (Rebrackating) werden nicht benötigt. Die Daten aus dem in diesem Buch enthaltenen Kapitel über Partikelverben wurden teilweise auf der HPSG 99 und dem Partikelverbworkshop in Leipzig präsentiert. Die Passivanalyse mit Lexikonregeln wurde auf der HPSG 2000 in Berkeley vorgestellt. Über komplexe Prädikate und Partikelverben habe ich auf der GGS 2000 in Potsdam vorgetragen. Über eine Lösung der Klammerparadoxa in der morphologischen Analyse der Partikelverben habe ich auf der HPSG 2001 in Trondheim gesprochen und die Analyse für depiktive Prädikate wurde auf der FG 2001 in Helsinki vorgestellt.

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