Neue Informationstechnologien für die Notfallversorgung

Intelligente Assistenzsysteme und personalisierte Lernumgebungen können künftig Notfall- und Rettungsdienst-Personal unterstützen.

Für eine bessere Notfallversorgung haben sich national und international zunehmend sogenannte Interdisziplinäre Notaufnahmen (INA) etabliert und bewährt. In der Notfallmedizin stellen die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen mit unterschiedlicher beruflicher Expertise und ein hoher Zeit- und Kostendruck höchste Anforderungen an die Qualifikation des Personals. Insbesondere Rettungsdienstmitarbeiter und Notfallpflegekräfte müssen sich schnell auf unterschiedliche Situationen vor Ort einstellen können und haben dabei mit den unterschiedlichsten Informationssystemen und medizintechnischen Geräten zu tun. In einem Notfall muss die Kommunikation mit Ärzten verschiedener Fachgebiete schnell und reibungslos funktionieren.

Optimale Unterstützung im akuten Notfall, aber auch ständige, berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung sollen künftig durch innovative Informationstechnologien via Internet per Mausklick erleichtert werden. Das Projekt „Intelligente Assistenzdienste und personalisierte Lernumgebungen zur Wissens- und Handlungsunterstützung in der Interdisziplinären Notaufnahme (A.L.I.N.A.)“ will für einen solchen Bedarf maßgeschneiderte Lösungen entwickeln.

Ziel des A.L.I.N.A.-Projekts ist es, intelligente Assistenzdienste vor allem für Notfallpflegekräfte und Mitarbeiter des Rettungsdienstes zu entwickeln, die über Internet zur Verfügung stehen. Diese Dienste sollen das Notfall- und Rettungsdienstpersonal bedarfsorientiert „in situ“, d.h. vor Ort in der konkreten Notfallsituation, in der präklinischen und klinischen Phase der Notfallversorgung unterstützen. Darüber hinaus werden personalisierte Lernumgebungen entwickelt. Diese sollen bei der Vermittlung theoretischer und klinisch-praktischer Grundlagen orts- und zeitunabhängig helfen, so z.B. bei der Erkennung von notfallmedizinischen Leitsymptomen, bei der Bedienung medizintechnischer Geräte, bei der Durchführung notfalldiagnostischer oder –therapeutischer Erstmaßnahmen.

„Nach einer Erprobungsphase bei den Zielgruppen hoffen wir, IT-Lösungen entwickelt zu haben, die den aktuellen Bedarf in der Notfallversorgung widerspiegeln und die berufliche Qualifikation der Rettungsdienstmitarbeiter und der Notfallpflegekräfte berufsbegleitend unterstützen und verbessern können“, sagt Prof. Igel, DFKI, Berlin. Auch Überlegungen zur Vermarktung dieser Idee sind Bestandteil des Projekts. Es sollen geeignete Ansätze für Geschäftsmodelle zur langfristigen Verwertung der Projektergebnisse erarbeitet werden.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,3 Millionen Euro für drei Jahre gefördert. Die Projektkoordination liegt bei Prof. Dr. Sabine Blaschke, Ärztliche Leitung der Interdisziplinären Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Weitere Verbundpartner sind das Center for Learning Technology im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die Klinik für Unfallchirurgie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und das GECKO-Institut der Hochschule Heilbronn. Darüber hinaus sind die Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF), Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), Deutsche Berufsverband Rettungsdienst (DBRD), Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin u. Notfallmedizin (DIVI) und Deutsche Gesellschaft für Medizin Informatik, Biometrie u. Epidemiologie (GMDS) als assoziierte Partner in dem Verbundprojekt beteiligt.

 

Kontakt
Prof. Dr. Christoph Igel
Center for Learning Technology
DFKI Projektbüro Berlin
Alt-Moabit 91c
D-10559 Berlin
Tel.: +49 30 23895 1052

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Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
German Research Center for Artificial Intelligence