Effizientere HMI-Entwicklungen für die Automobilindustrie – Projekt automotiveHMI veröffentlicht einheitliches Austauschformat

Im Projekt automotiveHMI wurden standardisierte Sprachen, Modelle und Schnittstellen entwickelt, die den Prozess zur Entwicklung von Benutzungsschnittstellen im Automobilbereich für alle beteiligten Unternehmen, vom Automobilhersteller über den Zulieferer bis zum Hersteller, optimieren. Nach Beendigung des Projektes zum Jahre 2014 steht nun das entwickelte Austauschformat ISF als Open-Source-Lizenz zur Verfügung.

Die deutsche Hersteller- und Zulieferindustrie im Bereich des Automobilbaus ist führend in der Welt und bekannt für ihre Innovationskraft. Viele erfolgreiche Innovationen fallen in den Bereich der sogenannten Hidden Technologies, beispielsweise Infotainment-, Kommunikations- und Fahrassistenzsysteme sowie neue Antriebskonzepte. Maßgebend für den Erfolg solcher Innovationen ist die Sicherstellung der Akzeptanz durch den Nutzer. Hierzu bedarf es an Benutzungsschnittstellen (Human-Machine-Interfaces – HMI), die den Anforderungen an die Bedienbarkeit gerecht werden.

Die Methoden der Erstellung und Weitergabe von HMI-Spezifikationen basieren momentan auf textuellen Beschreibungen und multiplen parallelen Versionen. Sie verursachen damit einen massiven Kommunikationsaufwand in den Projektteams und sind anfällig für Fehler.

Einheitliche Formate für einen effizienteren Entwicklungsprozess

Im Projekt automotiveHMI arbeiteten namenhafte Vertreter der deutschen Automobilindustrie unter der wissenschaftlichen Koordination des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern drei Jahre lang gemeinsam an dem Ziel, die Optimierung der HMI-Entwicklungsprozesse und die effizientere Zusammenarbeit der involvierten Rollen und Akteure bei der HMI-Entwicklung voranzutreiben. Die Kernaufgabe des Projektes bestand in der Entwicklung eines domänenspezifischen, modellbasierten Austauschformats, das eine einheitliche und formale Spezifikation prozessübergreifender HMI-Entwicklungsdaten ermöglicht. Das Format fungiert als maschinenlesbare Datenschnittstelle zwischen den einzelnen Prozessteilnehmern und ermöglicht somit die Überwindung der „digitalen Lücke“, die bislang durch den papierbasierten Datenaustausch existiert.

„Die Vernetzung der Entwicklungswerkzeuge erlaubt einen deutlich effizienteren HMI-Entwicklungsprozess, der Zeit spart und der deutschen Automobil- und Zuliefererindustrie einen Wettbewerbsvorsprung ermöglicht. Des Weiteren können neue innovative Infotainment-Versionen damit früher auf den Markt gebracht werden.“, so Prof. Dr.-Ing. Detlef Zühlke, Leiter des beteiligten DFKI-Forschungsbereichs Innovative Fabriksysteme.

Austauschformat nach erfolgreichem Projektabschluss veröffentlicht

Ende des Jahres 2013 wurde das Projekt erfolgreich abgeschlossen und das Austauschformat als offener Standard umgesetzt, um Herstellern, Zulieferern und den Herstellern von Entwicklungswerkzeugen einen einfachen Zugang zu ermöglichen. Das sogenannte „Infotainment Specification Format“ (ISF) ist als ein werkzeug- und prozess-übergreifendes Austauschformat konzipiert, das die Prozesse in der Entwicklung von Infotainment-Systemen im Fahrzeug zusammenführen und über Firmengrenzen hinweg integrieren soll.

Mit dem Einsatz eines modellbasierten Austauschformats zur Spezifikation moderner HMI-Systeme ist es erstmals möglich, partner- und prozessübergreifend Entwicklungsdaten und -artefakte auszutauschen. Darüber hinaus werden mit der Entwicklung und Einführung eines einheitlichen Austauschformats die Voraussetzungen für einen bruchfreien und durchgängigen Einsatz von Entwicklungswerkzeugen geschaffen.

Das ISF ist unter der MIT-Lizenz veröffentlicht. Diese freizügige Open-Source-Lizenz erlaubt die freie, unentgeltliche Verwendung des Formats. Hierdurch soll der offene Charakter des Austauschformats gestärkt und die Verbreitung des Formats gefördert werden.

Das Format steht auf der offiziellen Sourceforge-Seite des Projekts zum Download bereit: http://sourceforge.net/projects/automotivehmi

 

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Das Projekt automotiveHMI wurde bis Dezember 2013 als strategisches Einzelprojekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mit 3,8 Mio. Euro (Gesamtvolumen: 7,4 Mio. Euro) gefördert. Geleitet wurde das Projekt von der Elektrobit Automotive GmbH in Erlangen sowie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern. Projektträger war das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR). Das Projekt wurde vom Network of Automotive Excellence (NoAE) als Innovationssieger 2011/2012 ausgezeichnet.

 

Kontakt DFKI:

Prof. Dr.-Ing. Detlef Zühlke
Leiter Forschungsbereich Innovative Fabriksysteme
E-Mail:

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Moritz Kümmerling
E-Mail:


Kontakt Elektrobit:

Elektrobit Automotive GmbH
Thomas Fleischmann
Am Wolfsmantel 46
91058 Erlangen
E-Mail:

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Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
German Research Center for Artificial Intelligence