AmbiWise - Technik zum Menschen bringen: Qualifizierung am Arbeitsplatz




  • Assistenz-System „AmbiWise“ setzt auf Wissensschatz der Mitarbeiter 
  • Pilotprojekte in der Industrie erfolgreich abgeschlossen

Mit steigender Produktvielfalt erhöht sich die Komplexität der Produktionsprozesse. Die Folge: auch die Beschäftigten müssen immer weiter qualifiziert werden. Mit dem System „AmbiWise“ haben Partner aus Industrie und Forschung ein neues Werkzeug zum mobilen und standortübergreifenden Wissensmanagement für Montage und Instandhaltung vorgestellt. So werden Qualifizierungsmaßnahmen direkt in die Arbeitsprozesse integriert. „AmbiWise“ ist einfach zu bedienen und ermöglicht so den Beschäftigten, ihr Wissen selbst einzubringen. Am Projekt waren fünf Partner beteiligt: Infoman, der Forschungsbereich Innovative Fabriksysteme des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), die Beuth Hochschule für Technik Berlin, Semantic Edge sowie das Institut für Technologie und Arbeit. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für drei Jahre von 2014 bis 2016 mit insgesamt 3,1 Millionen Euro gefördert.
 
„AmbiWise“ steht für „Alltagsgerechte, mobile, kontext-sensitive Benutzungsschnittstellen für optimierten Wissensaustausch“ und ist ein Assistenz- und Kollaborationssystem. Es ermöglicht den mobilen und standortübergreifenden Wissensaustausch im Unternehmen. So kann Wissen direkt am Arbeitsplatz erfasst, aktualisiert und mit multimedialen Lerninhalten angereichert werden. Dank QRCodes, iBeacons oder Sprache können Werker die Lerninhalte intuitiv und im Kontext der Fertigungs- oder Montagestation abrufen. Mit Hilfe von Abbildungen, Videos oder Instruktionen durch Augmented Reality werden neue Beschäftigte angelernt und das Wissen bei bestehendem Personal aufgefrischt. 
 
„Der Fertigungs- und Montagebereich in modernen Unternehmen wird immer komplexer. Mit „AmbiWise“ lösen wir Standardanleitungen ab und ermöglichen den Mitarbeitern, individuelle Beschreibungen für Maschinen und Arbeitsschritte zu erstellen“, erklärt Fabian Quint, Projektleiter seitens des DFKI. Somit geben die Beschäftigten ihr Wissen nicht nur innerhalb des Teams weiter – dank der Digitalisierung sind die Inhalte mobil und standortübergreifend einsetzbar. Ausscheidende Mitarbeiter können ihr Erfahrungswissen dokumentieren und neue Mitarbeiter können einfacher angelernt werden. 
 
Mit gängiger Hardware kompatibel

Die Benutzeroberfläche von „AmbiWise“ basiert auf den Web-Technologien HTML5, CSS3 und Javascript. Das System ist mit der Mehrzahl mobiler und stationärer Endgeräte kompatibel. Die Inhalte sind als Baumstruktur abgelegt, und die höchste Ebene bilden Stationen, die mit Tätigkeiten und Arbeitsschritten versehen sein können. Die Arbeitsschritte können als herkömmlicher Text abgelegt oder mit multimedialen Inhalten wie Abbildungen, Videos und Augmented Reality-Anweisungen beschrieben werden. Diese Inhalte können mobil vor Ort aufgenommen und einer Tätigkeit zugeordnet werden. 
 
Zur Videoaufnahme werden unter anderem Smart Glasses eingesetzt, die durch die Aufnahme aus der Ich-Perspektive anderen Aufnahmegeräten wie Tablets überlegen sind. Bevor die Inhalte im System sichtbar sind, müssen sie einen mehrstufigen Freigabeprozess durchlaufen. In diesen Prozess können zum Beispiel Meister, Betriebsrat und Datenschutzbeauftragter eingebunden werden.
 
Erste Pilotanwendungen bei Daimler und Schaeffler erfolgreich

Das „AmbiWise“-System wurde bei zwei Anwendungspartnern an fünf Standorten im Produktionsumfeld erprobt. Pilotanwendung war u.a. die Erstellung von Lernvideos mit Hilfe von Smart Glasses. Bei der Daimler AG zeigen die Lernvideos die Arbeitsausführung inklusive ergänzender Informationen aus Sicht eines erfahrenen Montagemitarbeiters. Die Lernvideos wurden unter realen Arbeitsbedingungen aufgenommen und bilden in sich geschlossene, kurze Lerneinheiten. Bei der Schaeffler GmbH & Co. KG konnten Mitarbeiter die erstellten Videos zusätzlich noch bewerten, Inhalte hinzufügen und Feedback geben. Das dient dazu, das System und seine Inhalte ständig zu verbessern und aktuell zu halten. „Nach einer 15-minütigen Einweisung konnten die Nutzer das System produktiv einsetzen. 
 
Da „AmbiWise“ quasi selbsterklärend ist, sehen wir darin eine zukunftsfähige Basis, um Wissen in Produktionsstandorten praxistauglich aufzubereiten und den Wissenstransfer auf dem Shop Floor zu unterstützen“, resümiert Quint. „AmbiWise“ wird aktuell im Demo-Center der Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. vorgeführt.
 
 

 

 

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Auszubildende bei der Anwendung von AmbiWise an einer Arbeitsstation.
Foto: Daimler AG.
  Die arbeitsplatzbezogene Qualifizierung wird einfacher und macht Spaß - dank
selbsterstellter Lernvideos durch die Mitarbeiter. Foto: Schaeffler AG & Co. KG

Über die Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V.

Die Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. wurde 2005 als gemeinnütziger Verein gegründet, um erstmals Akteure aus Industrie und Forschung in einem Industrie 4.0-Netzwerk zusammenzubringen und gemeinschaftlich Projekte zur Fabrik der Zukunft durchzuführen. Die im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern beheimatete SmartFactoryKL ist eine weltweit einzigartige herstellerunabhängige Demonstrations- und Forschungsplattform. Hier werden innovative Informations- und Kommunikationstechnologien und deren Einsatz in einer realitätsnahen industriellen Produktionsumgebung getestet und weiterentwickelt. Die Technologie-Initiative hat, durch die aktive Beteiligung ihrer Mitglieder, bereits erste Produkte und Lösungen sowie gemeinschaftliche Standards im Bereich Industrie 4.0 etabliert. SmartFactoryKL wurde 2016, zusammen mit weiteren Kompetenzträgern aus der Region, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zum Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern ernannt. 
 
 
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