Vernetztes und intelligentes System zur Blasenspülung entlastet Ärzte und Pflegepersonal

Nach Operationen an Nieren, Blase oder Prostata ist eine Dauerspülung der Blase notwendig, um Blutgerinsel zu vermeiden. Diese kontinuierliche Spülung muss dauerhaft überwacht werden. Das ohnehin schon überlastete Pflegepersonal in Kliniken kann dies kaum leisten. Zeitspannen, in denen die Spülung unbewacht verläuft, erhöhen das Risiko von Komplikationen.




In VisIMon, einem neuen Projekt unter der Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, wird ein System zur automatischen Überwachung der Blasenspülung entwickelt, das eine bessere Versorgung der Patienten bei gleichzeitiger Entlastung des medizinischen Personals ermöglichen soll. Im Projektkonsortium arbeiten sieben Partner aus Industrie und Forschung interdisziplinär zusammen, um ein kleines, am Körper getragenes Modul mit Sensoren und Schnittstellen zu entwickeln, das den Spülvorgang überwacht. Das neue System nutzt eine Kombination von Durchflusssensoren, spektrographischen Sensoren und Ultraschall. VisIMon wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Professor Didier Stricker, der Leiter des DFKI-Forschungsbereichs Erweiterte Realität erläutert: „Das System soll als Überwachungselement eingesetzt werden um einen technisch einwandfreien Verlauf der Spülung zu garantieren und medizinische Parameter wie eine akute Blutung zu erkennen und zu kommunizieren. Die Vorbereitung der Spülung wird wie bisher vom medizinischen Personal durchgeführt, während das System die Behandlung überwacht und protokolliert. Komplikationen können sofort erkannt und bewertet werden.“

Die Flussüberwachung der Spülung sowie der Miniaturultraschall der Blase können diskret am Körper getragen werden. Die drahtlose Kommunikation ermöglicht eine erhöhte Mobilität der Patienten. Alle relevanten Messwerte können mit hoher Genauigkeit ermittelt werden. Arbeitsabläufe (z.B. Wechsel der Beutel) können besser geplant und unnötige Laufzeiten vermieden werden. Hieraus entstehen Einsparungen im Betrieb, die zusammen mit der Wiederverwendbarkeit des Systems die Gesamtkosten in kurzer Zeit amortisieren.

Die Anwendung des Systems ist sehr einfach. Die zu- und abführenden Schläuche des Spülsystems werden in das Gerät eingelegt und der Ultraschallsensor wird oberhalb des Schambeins angelegt. Bisher wurde die Fließgeschwindigkeit der Spülung vom Personal manuell eingestellt. Durch die Verwendung der Flusssensoren ist eine automatische oder zumindest unterstützte Einstellung und Kalibrierung des Systems möglich. Diese ist wesentlich genauer, erhöht zudem die Sicherheit und verbessert die Anwendung durch unerfahrenes Personal. Durch die Führung der Schläuche wird ein besserer Tragekomfort des Spülsystems erreicht. Die kontinuierliche Analyse der abfließenden Spülflüssigkeit sowie die Überwachung der Blase durch Ultraschall ermöglichen eine genaue Beobachtung des aktuellen Zustandes.

Die grundlegende Herausforderung bei der Blasenspülung ist die korrekte Einstellung der einfließenden Menge an Spülflüssigkeit. Einerseits gilt es einen möglichst hohen Fluss zu erreichen, damit die Blase optimal gespült und so die Bildung von Gerinseln und Tamponaden vermieden wird. Andererseits muss die abfließende Menge so groß sein, dass ein sukzessives Überfüllen der Blase und die damit verbundenen Komplikationen vermieden werden.
 

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Die Spülungsparameter können jederzeit überprüft werden. Foto: Alexander Schober


Die im Projekt eingesetzte Medizintechnik kann grundsätzlich vier Bereichen zugeordnet werden:

  • Diagnostisch: Akute Blutungen sollen vom System erkannt und kommuniziert werden.
  • Therapeutisch: Optimale Anwendung der Blasenspülung zur Vermeidung von Komplikationen.
  • Nachsorgend: Anwendung einer optimalen Spülung nach einem operativen Eingriff.
  • Prophylaktisch: Vermeidung von Blasentamponaden und dadurch bedingten Operationen.


Im Dezember trafen sich die Partner zu einem erfolgreichen Kick-off Treffen am DFKI in Kaiserslautern.
 

Weitere Informationen: 
VisIMon Projektseite des BMBF

Projektpartner:

  • Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, Kaiserslautern
  • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Freiburg
  • FhG IBMT St. Ingbert
  • Lohmann & Birkner Software Solutions GmbH, Berlin
  • DITABIS Digital Biomedical Imaging Systems AG, Pforzheim
  • em-tec GmbH, Finning (assoziiert)
  • embeX GmbH, Freiburg (assoziiert)
     

Kontakt:
Dr. Gerd Reis
Forschungsbereich Erweiterte Realität
Deutsches Forschungzentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH
Trippstadter Straße 122
67663 Kaiserslautern
Tel.: +49 631 20575 2090
E-Mail: Gerd.Reis@dfki.de

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