

Unsere biomedizinischen Daten sind ein komplexes Puzzle aus unzähligen unbearbeiteten Informationen in unterschiedlichsten Formaten. Das erschwert den Überblick. Am DFKI entwickeln Forschende sogenannte Wissensgraphen – riesige Netzwerke, die Gene, Proteine, Medikamente und Krankheiten miteinander verknüpfen und so neue Einblicke in versteckte Zusammenhänge ermöglichen.

KI zeigt, wie ein Gen auf Medikamente reagiert oder warum ein Protein Krankheiten auslöst. Auf Basis der Wissensgraphen erkennt sie Muster in großen Datennetzen und liefert Hinweise darauf, wie Gene, Proteine und Medikamente miteinander interagieren. Diese Sicht hilft Ärzt*innen, Therapien und Medikation gezielt zu planen und abzustimmen.
Einzelne hochspezialisierte Modelle übernehmen dabei spezifische Aufgaben – von der Diagnostik bis zur Medikamentenentwicklung. Sie analysieren die Daten, plausibilisieren ihre Ergebnisse und machen so sichtbar, welche Faktoren zu einer Empfehlung führen. Das ermöglicht Ärzt*innen, Patient*innen und Pharmaunternehmen, die Resultate zu prüfen, mit eigenen Einschätzungen abzugleichen und die Algorithmen gezielt nachzujustieren.

„Transparenz bedeutet, dass Ärzt*innen verstehen, warum eine KI eine bestimmte Therapie empfiehlt und welche Nebenwirkungen möglich sind. So entsteht Vertrauen und Sicherheit in medizinische Entscheidungen.“
Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen am DFKI arbeiten Hand in Hand, damit Lösungen praxisnah und zügig entwickelt werden. In den Transferlabs entstehen maßgeschneiderte Prototypen, die direkt an realen Herausforderungen getestet werden. So können technologische Lösungen exakt auf die Anforderungen der Praxis zugeschnitten werden. Junge Wissenschaftler*innen erhalten gleichzeitig tiefe Einblicke in Anwendungsperspektiven ihrer Forschung.
Das Zusammenspiel von Medizin und KI verlangt Klarheit und Kontrolle. Bereits während der Entwicklung müssen ethische und rechtliche Aspekte berücksichtigt werden. Sensible Patient*innendaten werden anonymisiert und verschlüsselt, sodass Rückschlüsse auf Personen unmöglich bleiben. Wissenschaftlerinnen halten eine delikate Balance zwischen schnell voranschreitender Innovation und höchstem Datenschutz.
Unklare Regelungen im Europäischen AI-Act verunsichern Unternehmen, bremsen Investitionen und verzögern die Zulassung von KI-Medizinprodukten. Forschung und Praxis balancieren hier zwischen Innovationsdynamik und strengen regulatorischen Anforderungen.
Schon heute entdeckt KI neuartige Biomarker, die Therapien für seltene Krankheiten ermöglichen. Die Auswertung umfangreicher biomedizinischer Daten macht Arzneimittelentwicklung effizienter: Präzise Vorhersagen zu Wirkungen minimieren Nebenwirkungen, während Medikationen individuell abgestimmt werden. Das DFKI gestaltet so eine Medizin, die Forschung und Versorgung nahtlos verbindet – verantwortlich, zugänglich und zukunftsweisend.
Forschunsbereichsleiter Smarte Daten & Wissensdienste, DFKI Kaiserslautern
Pressereferent & Wissenschaftlicher Redakteur, DFKI KL